Neues vom Forschungscampus Ost

„Begeistert" auch vom Forschungscampus Ost

Ministerin Karliczek besichtigt WWU-Forschungsbauten

Münster (upm) - An der einen oder anderen Stelle kam die Erinnerung an längst vergangene Zeiten hoch. An der Corrensstraße beispielsweise, in deren Nähe Anja Karliczeks Tochter während ihres Studiums an der Universität Münster wohnte – oder mit Blick auf die Steinfurter Straße, wo seinerzeit ihre Großmutter lebte, die die heutige Bundesministerin für Bildung und Forschung oft besuchte, um von dort aus zur Berufsschule in die Neubrückenstraße zu radeln. Für Anja Karliczek war der anderthalbstündige Münster-Spaziergang am Dienstagabend somit teilweise eine Reise in die eigene Vergangenheit. Eindeutig im Mittelpunkt ihres Interesses stand allerdings die Entwicklung der Forschungslandschaft in der Stadt und an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU). Ihr Fazit im "Center for Soft Nanoscience" (SoN) der WWU an der Busso-Peus-Straße fiel eindeutig aus: "Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass an vielen Stellen, wo früher Wiesen und Felder waren, heute beeindruckende Forschungsgebäude stehen – ich bin einfach nur begeistert."

WWU-Rektor Prof. Johannes Wessels, Oberbürgermeister Markus Lewe und Kanzler Matthias Schwarte hatten die gebürtige Ibbenbürenerin, die seit März 2018 das Bundesforschungsministerium leitet, am Schloss begrüßt und sich sogleich durch den Schlossgarten auf den Weg in Richtung Coesfelder Kreuz gemacht. An der Hittorfstraße ließ sich die Ressortchefin kurz den aktuellen Stand in Sachen Musikcampus erklären, der an der Ecke zur Einsteinstraße entstehen soll: Johannes Wessels und Markus Lewe bekräftigten ihre Absicht, die Pläne für "diese einzigartige Chance" weiter zu verfolgen.

Am Coesfelder Kreuz warteten bereits der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Frank Ulrich Müller, der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, Prof. Hugo Van Aken, und der Direktor der Klinik für psychische Gesundheit, Prof. Bernhard Baune, um der Ministerin die Hintergründe der aktuell größten münsterschen Baustelle zu erläutern. Das riesige Bauloch entlang des Rishon-le-Zion-Rings lässt immerhin schon erahnen, welche Dimensionen das Medizinische Forschungs-Centrum ("MedForCe") und das "Body & Brain Institute Münster" (BBIM) haben – rund 200 Millionen investieren das Land Nordrhein-Westfalen und der Bund an diesem Verkehrsknotenpunkt unweit des Klinikums und des naturwissenschaftlichen Campus' der WWU. Im MedForCe werden Virologen, medizinische Mikrobiologen und Hygieniker gemeinsam forschen, im BBIM untersuchen Wissenschaftler in Zukunft das Wechselspiel von Körper und Gehirn.

Anja Karliczek nutzte auch die möglicherweise letzte Gelegenheit, das Kunstwerk "Square Depression" (quadratische Senkung) des US-Amerikaners Bruce Nauman neben dem Institut für Kernphysik zu erleben – die Skulptur muss einem Neubau der Universität weichen. Einen Eindruck von der "geballten Forschungspower" bekam Anja Karliczek auch auf dem letzten Teil des Spaziergangs geboten, als Rektor Johannes Wessels sie entlang der Röntgenstraße über das im Bau bereits weit vorangeschrittene "Multiscale Imaging Centre", das Max-Planck-Institut für Molekulare Biomedizin und schließlich das SoN informierte. "Dies war eine tolle Gelegenheit, auch Ihnen zeigen zu können, was die Forschungs-Investitionen von Bund und Land in den vergangenen Jahren hervorgebracht haben", betonte der Rektor.

Mehr Infos auch bei den MFM-NEWS!

Spatenstich für Forschungscampus Ost: Gesamtinvestition von 200 Millionen Euro

Gemeinsamer Ort für interdisziplinäre Forscherteams in unmittelbarer Nähe zu den Patienten / MedForCe (Medizinisches Forschungs-Centrum) und BBIM (Body & Brain Institute Münster) bilden östliches Eingangstor zum Campus der Universitätsmedizin

Münster (mfm-ukm/ks). „Mit dem heutigen Anlass wird ein jahrelang gehegter Traum der Universitätsmedizin Münster wahr: Es entstehen an zentraler Stelle neue, hochmoderne Forschungskapazitäten, in denen interdisziplinäre Teams und Spitzenforscher der Medizinischen Fakultät hervorragende Bedingungen vorfinden werden – zum Wohle der Patienten am UKM und weltweit.“ So kommentierte der Dekan der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), Prof. Frank Ulrich Müller, in seiner Rede den ersten Spatenstich für den künftigen Forschungscampus Ost. Mit dem symbolischen Akt starten offiziell die Bauarbeiten am Coesfelder Kreuz – mit denen ein neues östliches Eingangsportal zum Campus der Universitätsmedizin Münster entstehen wird.

Schon seit vielen Jahren wird akribisch an dem Campus geplant, der zukünftig zwei großen Forschungseinheiten Raum geben soll. Auf dem Gelände, das sich vom Coesfelder Kreuz entlang der Domagkstraße bis fast zur Waldeyerstraße erstreckt, wird zum einen das MedForCe (Medizinisches Forschungs-Centrum) und zum anderen das BBIM (Body & Brain Institute Münster) entstehen. In beiden Gebäuden werden große Forschungsflächen mit modernsten Labors und Funktionseinheiten geschaffen. Darunter gibt es Räumlichkeiten für Arbeitsgruppen der Medizinischen Fakultät, die neue Forschungsprojekte einwerben. Darüber hinaus wird das MedForCe das neue Zuhause für die Forschungsarbeiten der Institute für Virologie, Medizinische Mikrobiologie und Hygiene. Im BBIM soll das Wechselspiel von Körper und Gehirn untersucht werden. Gemeinsam mit der Klinik-Tochter UKM Infrastruktur Management GmbH (UKM IM) erarbeitete eine Arbeitsgruppe Pläne für gemeinsame Forschung interdisziplinärer Teams unter einem Dach und stellte sie dem Wissenschaftsrat vor. Dieser empfahl die Förderung des Großprojektes BBIM.

Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen sagte: „Mit dem Spatenstich heute beginnen zwei ehrgeizige Projekte, die für die Weiterentwicklung des Universitätsklinikums und der Universitätsmedizin Münster von großer Bedeutung sind. Wesentliche Voraussetzungen für exzellente Universitätsmedizin sind effiziente und leistungsfähige Infrastrukturen. Dazu gehören kurze Wege, die den Austausch und die Kooperation zwischen Instituten, Disziplinen und Forschenden fördern. Mit dem Medizinischen Forschungs-Centrum und dem Body & Brain Institute soll dies künftig gelingen. Die Universitätsmedizin in Münster treibt damit ihre Spitzenforschung in Bereichen wie Infektionsmedizin, Krebsforschung oder neuropsychiatrische Forschung entscheidend voran.“

Factsheet zum Forschungscampus Ost

  • Das MedForCe hat eine Nutzfläche von rund 12.500 Quadratmetern Nutzfläche.  Gesamtkosten rund 130 Millionen Euro
  • Das BBIM eine Nutzfläche von knapp 4.000 Quadratmetern Nutzfläche.  Gesamtkosten rund 70 Millionen Euro
  • Die Gebäudeeinheiten bestehen aus 14 sogenannten Standard-Laborclustern inklusive zugehöriger Büros und Räumen für sogenannte Core Facilities. Dabei handelt es sich um Einrichtungen, in denen den Wissenschaftlern moderne Labormethoden zur gemeinschaftlichen Nutzung zur Verfügung stehen.
  • Das MedForCe mit dem BBIM als zentralem Gebäudekomplex erstreckt sich entlang des Rishon-le-Zion-Rings und auf dem derzeitigen Parkplatz am Coesfelder Kreuz sowie der angrenzenden – künftig entfallenden und jetzt abgesperrten – Querspange zur Domagkstraße. Zusammen mit weiteren Gebäudeteilen und einem Parkhaus soll das Gesamtgelände entsprechend dem „Masterplan 2028“ der münsterischen Universitätsmedizin sukzessive zum neuem Forschungscampus Ost entwickelt werden.

Altbau Domagkstraße 32 macht Platz für Großbaustelle

Erst ging es in den Boden, jetzt geht es an die Steine: Die vorbereitenden Maßnahmen für die Großbaustelle „ForschungsCampus Ost“ der Universitätsmedizin entlang des Rishon-le-Zings, schreiten mit dem Abriss eines abgängigen Gebäudes weiter voran. Während der nur zunächst nur geringe Auswirkungen für Besucher und Beschäftigte der Institute und Kliniken an der Domagkstraße hat, wird sich die Verkehrsführung in diesem Bereich mittelfristig erheblich ändern.

Der Forschungscampus Ost, der vor allem die Forschungsinfrastruktur der Medizinischen Fakultät optimieren soll, wird den gesamten Parkplatz einnehmen, der sich derzeit am Coesfelder Kreuz erstreckt - aber nicht nur das: Überbaut werden auch die Stichstraße, die derzeit noch den Ring mit der Domagkstraße verbindet, sowie weitere Bereiche entlang des Rings. Das an der Querspange - die ebenfalls als Domagkstraße firmiert - stehende Haus mit der Nummer 32 ist damit jetzt Geschichte.

„Sorgen um den schönen Altbaubestand muss sich niemand machen“, erläutert Stefan Triphaus, bei dessen UKM IM GmbH die Projektleitung für den Forschungscampus liegt. „Was hier verschwindet, ist ein Gebäude, das erst in den 1960er Jahren, also rund vier Jahrzehnte nach dem Bau der ursprünglichen Klinikgebäude, als Hausmeisterwohnung errichtet wurde und seit längerem leer steht“. Das unter Denkmalschutz stehende Altklinik-Ensemble bleibe von der Errichtung des Forschungscampus gänzlich Ost unberührt, so der Architekt.

Parallel zum Abriss gehen an anderer Stelle des Campus die Erdarbeiten weiter: Nachdem die quer über das Gelände verlaufenden Fernwärmeleitungen an dessen Rand verlegt worden sind, müssen die Stadtwerke nun noch Gas- und Wasserleitungen „verpflanzen“. Dafür wurde im Oktober Gehölz auf dem Bereich zwischen Lindenpark und der Unterführung geschnitten. Notfällige Baumfällungen sind mit der Stadt Münster abgesprochen. Infolge der Arbeiten ist die Domagkstraße immer wieder ab der Unterführung unter der Einsteinstraße für den Autoverkehr gesperrt; Radler und Fußgänger können aber zu jeder Zeit passieren. Voraussichtlich im November müssen sich Klinikbesucher und -mitarbeiter erneut umgewöhnen: Die geplante Baustelle des Forschungscampus wird dann eingefriedet; der Bauzaun mit seiner beindruckenden Gesamtlänge von einem Kilometer riegelt auch die derzeitig noch nutzbare Stichstraße ab.

Achtung: Ein Abbiegen vom Rishon-le-Zion-Ring in die Domagkstraße – die mittlerweile Eigentum des UKM ist – wird dann nicht mehr möglich sein. Für die dann endgültig wegfallenden Parkplätze auf der einen Seite des Coesfelder Kreuzes steht aber ausreichend Ersatz auf der anderen zur Verfügung: Autofahrer können auf das dortige - kostenlos nutzbare - Parkhaus ausweichen, so die mit der Universität Münster getroffene Absprache.

Ein wichtiger Hinweis für alle Kliniken, Institute und Bereiche auf dem sogenannten „Altklinik-Gelände“: Zu jeder Zeit ist die Zufahrt für Rettungsdienste, Leichenwagen und Zulieferer frei.

Wenn die Zufahrt durch die Unterführung wegen Bauarbeiten für Autos gesperrt ist, wird die Zufahrt über den Rishon-le-Zion-Ring offengehalten und umgekehrt, heißt es von der Projektleitung.

Letzte Hürde übersprungen: Das „Body & Brain Institute Münster“ bekommt 70 Mio. Euro Förderung – und bildet den Auftakt für die größte Baustelle der Stadt

Die „Übersprungshandlung“ ist amtlich – und die Freude darüber groß in der münsterschen Uni-Medizin: Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern hat in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, neun Forschungsgroßvorhaben an deutschen Hochschulen zu fördern, darunter auch das „Body & Brain Institute Münster“. Mit der Entscheidung des Gremiums hat das mit „BBIM“ abgekürzte Projekt die letzte Hürde auf dem Weg zur Förderung übersprungen: Rund 70 Millionen Euro, je zur Hälfte finanziert vom Bund und vom Land NRW, können nun bis 2025 nach Münster fließen – und werden am Coesfelder Kreuz zu der flächengrößten Baustelle in der Wissenschaftsstadt führen.
„Dass nach dem deutschen Wissenschaftsrat nun auch die GWK das Konzept des BBIM gutgeheißen hat, freut uns riesig und ist eine Bestätigung der jahrelangen Vorarbeiten“, sagt Prof. Heinz Wiendl. Der Direktor der münsterschen Uniklinik für Neurologie ist Sprecher der zehn antragsstellenden Hauptwissenschaftler und ihrer Einrichtungen, die im „Body & Brain Institute Münster“ künftig ansässig sein werden. Auf rund 3.900 qm Nutzfläche sollen in dem Gebäude  laut Wiendl etwa 200 Forscherinnen und Forschern modernste Arbeitsbedingungen erhalten und das Zusammenspiel von Hirn und Körperfunktionen ergründen. Aus dem interdisziplinär, also fachübergreifend, angepackten Thema leitet sich auch der Name des Gebäudes ab.
Dieses ist seinerseits tragende Säule im Konzept für den „Forschungscampus Ost“, der entsprechend dem „Masterplan 2028“ der münsterschen Unimedizin in Teilschritten auf dem heutigen Parkplatz am Coesfelder Kreuz sowie angrenzenden Bereichen entwickelt wird. „Mit diesem Forschungsstandort, der unter anderem auch das ‚Medizinische Forschungs-Centrum‘ (MedForCe) beherbergen wird, erhalten wir völlig neue Möglichkeiten und werden in der Forschung richtig durchstarten können“, freut sich auch der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Münster, Prof. Sven Meuth, über die erfolgreiche Antragstellung. Das Gros der zugesagten Mittel, nämlich 60 Mio. Euro, ist für das Gebäude selbst bestimmt; je fünf Millionen sind für dessen Ersteinrichtung  - unter anderem ein Reinstraumlabor - und für Forschungsgroßgeräte - wie ein Forschungs-MRT – vorgesehen.
Nach dem GWK-Votum können nun die Bauarbeiten detailliert terminiert werden. Derzeit laufen auf dem künftigen Forschungscampus Ost noch bauvorbereitende Maßnahmen wie die Verlegung von Fernwärmeleitungen. „Der eigentliche Startschuss für das BBIM fällt dann Anfang 2020“, kündigt Stephan Triphaus an. Die von ihm geleitete UKM IM GmbH, ein Tochterunternehmen des Universitätsklinikums Münster, wird den Bau des BBIM – und auch die anderen Teilvorhaben des Forschungscampus Ost  - managen. Den Auftakt der Bautätigkeit bilden allerdings nicht Neu-, sondern Altbauten: BBIM und MedForCe entstehen als ein zusammenhängender  Gebäudekomplex entlang des Rishon-le-Zion-Rings, für den zunächst die Gebäude Domagstraße 24 und 26 weichen müssen. Die städtische Abrissgenehmigung dafür liegt bereits vor.
Der Bezug des BBIM wird, wie Dekan Meuth aufgrund der Bauplanungen hofft, 2023 möglich sein. Bis dahin wird sich am Coesfelder Kreuz die flächengrößte Baustelle Münsters erstrecken. Schon in der jetzigen Phase, in der er nur etwa die Hälfte des künftigen Forschungscampus Ost einrahmt, hat der Bauzaun eine Länge von über einem halben Kilometer. „Zum Gesamtkonzept des Forschungscampus und zu dem, was er an Arbeitsabläufen mit sich bringt, werden wir für Anwohner und interessierte Bürger im Herbst einen Infoabend anbieten“, kündigt Dekan Meuth an. Mit nennenswerten Belästigungen in puncto Lärm oder Verkehr rechnet er nicht, da der betroffene Bereich keine Wohngegend ist und die Baustellenanfahrten nicht vom Ring aus erfolgen. 

Ein gemeinsames Dach für "Körper und Gehirn“: Wissenschaftsrat empfiehlt Förderung des geplanten "Body & Brain Institute Münster"

Der Name ist Programm: Die Experten im geplanten „Body & Brain Institute Münster“ (BBIM) wollen Erkrankungen und deren Entstehung aus dem Blickwinkel des Zusammenspiels zwischen Gehirn und Körper erforschen. Folgerichtig sollen die Vertreter verschiedener Fachdisziplinen eng zusammenarbeiten. Das gemeinsame Großprojekt der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und des UKM (Universitätsklinikum Münster), für das ein Finanzvolumen von rund 70 Millionen Euro angesetzt ist, hat jetzt eine hohe Hürde übersprungen: Der Wissenschaftsrat hat sich für den Bau des BBIM ausgesprochen und damit den Weg für eine gemeinsame Förderung von Bund und Ländern freigemacht. Die abschließende Entscheidung über die Förderung fällt - auf der Grundlage der Wissenschaftsrat-Empfehlung - in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern, die vermutlich im Juli tagen wird.

"Wir freuen uns sehr über die positive Bewertung des wissenschaftlichen Konzeptes für das BBIM“, betont WWU-Rektor Prof. Johannes Wessels. Nach dem Bau des „Center for Soft Nanoscience“ (SoN) und mit Blick auf das Bau befindliche "Multiscale Imaging Centre" (MIC) biete das BBIM „eine weitere große Chance, die Forschungsschwerpunkte der WWU, in diesem Fall der biomedizinische Bereich, auszubauen und sie bundesweit und international noch sichtbarer zu machen".

Ziel des „Body & Brain Institute Münster“ ist es, das Wechselspiel zwischen Körper und Gehirn besser zu verstehen und daraus konkrete Behandlungs- und Versorgungsstrategien für bestimmte neurologische und psychiatrische Erkrankungen zu entwickeln und zu verbessern. „Diese Krankheitsbilder haben wir danach ausgewählt, ob sie sich als eine Art ‚Modellerkrankungen‘ besonders gut eignen, um typische Ursachen und Prozesse vertiefend zu erforschen“, sagt Prof. Heinz Wiendl, der als Direktor der UKM-Klinik für Neurologie zu den Initiatoren des BBIM gehört. Beispiele seien die Multiple Sklerose, Autoimmunenzephalitiden (vom eigenen Immunsystem verursachte Entzündungen des zentralen Nervensystems) sowie Angststörungen. „Der Fokus liegt auf der Rolle und der Modifikation von Entzündungs- und Stoffwechselprozessen bei der Funktion oder Dysfunktion des zentralen Nervensystems“, erläutert Heinz Wiendl.

Rund 200 Wissenschaftler sollen künftig im BBIM forschen. „Dabei setzen wir auf kurze, schnelle Wege vom Krankenbett zum Labor und zurück. Fragestellungen, die beim Patienten auftauchen, sollen unmittelbar in die Forschung einfließen und erarbeitete Lösungen dem Patienten ohne Umwege zugutekommen“, unterstreicht Heinz Wiendl. Für dieses Konzept sei die am Standort des BBIM mögliche Einbeziehung von Patientengruppen sowie vorhandener Biomaterialien und Biosignaturen von großem Vorteil.

Dieser Ansatz spiegelte sich bereits in der Antragstellung wider. Für den Anfang 2019 eingereichten Förderantrag schlossen sich zehn Professorinnen und Professoren aus der Medizinischen Fakultät der WWU zusammen, die aus unterschiedlichen Fachdisziplinen kommen - aus der Neurologie, der Psychiatrie, Physiologie, Anästhesiologie, Dermatologie, Onkologie und Hygiene. Grundlagenforscher sind bei den BBIM-Initiatoren ebenso vertreten wie erfahrene Kliniker. Herausgekommen ist ein Konzept, das zuerst die universitären Gremien überzeugte, dann das Land Nordrhein-Westfalen und nun auch den Wissenschaftsrat. „Mit seinem hoch innovativen und bis ins Detail ausgeklügelten Konzept wird das BBIM eine Einrichtung, wie sie hierzulande noch nicht besteht“, ist sich Prof. Wiendl sicher.

Der Wissenschaftsrat, der die Bundesregierung und die Landesregierungen in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung berät, hat insgesamt neun Projekte zur Förderung empfohlen. Drei davon sollen in Nordrhein-Westfalen entstehen: Neben dem BBIM erhielten auch das Zentrum für Theoretische und Integrative Neuro- und Kognitionswissenschaft an der Universität Bochum und der Hochleistungsrechner CHEOPS 2 der Universität Köln ein positives Votum; das Gesamtvolumen der drei Vorhaben beziffert das Land NRW auf 160 Millionen Euro.

Weitere Informationen zum „Body & Brain Institute Münster“

Das BBIM hat – Labore und Büros addiert – eine Nutzfläche von knapp 3.900 Quadratmetern, die sich im Wesentlichen verteilen auf drei Standard-Laborcluster inklusive zugehöriger Büros und auf Räume für fünf sogenannte Core Facilities. Dabei handelt es sich um Einrichtungen, in denen den Wissenschaftlern moderne Labormethoden zur gemeinschaftlichen Nutzung zur Verfügung stehen. Die Gesamtkosten des BBIM belaufen sich auf gut 70 Millionen Euro, von denen rund 59 Millionen Euro auf den Bau und die Planung entfallen.

Baulich ist das BBIM als zentraler Teil eines Gebäuderiegels geplant, der sich entlang des Rishon-le-Zion-Rings erstrecken und auf dem derzeitigen Parkplatz am Coesfelder Kreuz sowie der angrenzenden – künftig entfallenden – Querspange zur Domagkstraße entstehen soll. Links direkt anschließen soll sich das schon länger geplante „Medizinische Forschungs-Centrum“, kurz: MedForCe. Zusammen mit weiteren Gebäudeteilen und einem Parkhaus soll das Gesamtgelände entsprechend dem „Masterplan 2028“ der münsterschen Uni-Mediziner sukzessive zu deren neuen „Forschungscampus Ost“ entwickelt werden.

Der „Forschungscampus Ost“ soll dem UKM-Gelände ein neues Gesicht geben

Anfang April war der „Pavillon“ am Rande der Baustelle am Coesfelder Kreuz abends gut gefüllt. 
Die Stadt informierte da über die Änderungen des Bebauungsplans, die für den zukünftigen Forschungscampus Ost nötig sind. Eingeladen hatte Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Münster-West Stephan Brinktrine. Er eröffnete leicht verschmitzt mit den Worten: „Am Ende werden wir sehen, ob es sich lediglich um eine Bürgerinformation handelt oder echte Bürgerbeteiligung.“  
Der Geschäftsführer der UKM Infrastruktur Management GmbH (UKM IM) Stephan Triphaus stellte anschaulich das Vorhaben des UKM für die Forscher der Medizinischen Fakultät vor. 
So gehört das Gelände an der zentralen Kreuzung in Richtung westliche Stadtteile zum „Masterplan Universitätsmedizin“ und soll später mehrere große Gebäude mit vorwiegend wissenschaftlicher Nutzung beherbergen. Auf dem Forschungscampus Ost sollen neue Räume geschaffen werden, in denen gemeinsam geforscht werden. „Wir wollen die ganzen dezentralen Forschungslabore und den Mix aus Krankenversorgung und Forschung besser sortieren, strukturieren und vor allem die dezentralen Anmietungen wieder verringern, damit für eine hervorragende und translationale Universitätsmedizin Münster beste Voraussetzungen geschaffen werden“, hieß es von Triphaus.

Damit diese Pläne Realität werden können, müssen städtebauliche Veränderungen stattfinden. Diese stellte Andreas Kurz vom Stadtplanungsamt vor: Ein zentraler Punkt ist die geänderte Verkehrsführung. Um die zentralen Gebäude des Forschungscampus Ost – „Medizinische Forschungs-Centrum“ (MedForCe) und „Body & Brain Institute Münster“ (BB IM) – parallel zum Rishon-Le-Zion-Ring errichten zu können, soll die Querspange soll verschwinden und überbaut werden; im Gegenzug soll die ursprüngliche historische Erschließung der Uniklinik über die - derzeit abgeriegelte – südliche Domagkstraße gegenüber der Sertürnerstraße wieder hergestellt werden. Über diese neue Zufahrt gelangen Autofahrer in das vorgesehene Parkhaus. Die Domagkstraße will das UKM mittelfristig übernehmen, etwa ab der Unterführung schließen und sie - ihrem attraktiven Alleecharakter entsprechend – vorwiegend dem Radverkehr überlassen. 

Damit kommt die Bürgerbeteiligung ist Spiel: Viele Studierende und Interessierte waren in den Pavillon gekommen. Vor allem die geplante „Verkehrsberuhigung“ hinter dem Uni-Parkhaus am Ring wurde vermehrt nachgefragt. Angemahnt wurde auch, dass zwar ein Parkhaus geplant ist, aber von zusätzlichen Fahrradstellplätzen keine Rede war. Hier konnte Stephan Triphaus eine positive Rückmeldung geben: „Gerade durch das Parkhaus soll die im Moment völlig zugestellte Domagkstraße von Autos befreit werden sowie die Flächen entlang der Straße deutlich grüner und attraktiver werden. Und an allen geplanten neuen Gebäuden werden Fahrradstellplätze entstehen.“ 

Damit der Forschungscampus Ost entstehen kann, laufen derzeit die Vorarbeiten, wie die Umverlegung der Gasleitungen, auf Hochtouren. Und laufen alle Genehmigungsverfahren nach Plan, hoffen die Verantwortlichen von UKM und WWU auf einen ersten Spatenstich im Herbst dieses Jahres.

Mehr Infos zum Forschungscampus Ost

Die aktuelle städtebauliche Planung für den Forschungscampus Ost ist auch beim Stadtplanungsamt online einzusehen. 
Eine ausführliche Pressemitteilung zum Vorhaben entlang der Domagkstraße und der Einsteinstraße gibt es bei den News der Medizinischen Fakultät.
 

NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen zum Forschungscampus Ost der Universitätsmedizin Münster

Spatenstich Forschungscampus Ost: Dekan Prof. Frank Ulrich Müller im Video